17.11.2023

Erzähltheater „PLANetB“ im Kulturhaus

Aktuelles

In Freiburg brütet der Steinadler, eine Invasion von Hirschen trinkt den Bertoldsbrunnen leer. Was uns Menschen vielleicht interessant erscheint, ist Zeichen einer besorgniserregenden Veränderung. Wir schreiben das Jahr 2034 – und der Klimawandel ist weit fortgeschritten.

Die Schauspielerin Margrita Wahrer alias „Florentina“ sitzt vor einem Globus, einen alten Atlas in der Hand – verwundert: „Wo ist Indonesien, Lanzarote, Malta, ….?“ Inseln, die in ihrem Atlas des Jahres 1974 verzeichnet sind, findet sie auf dem Globus des Jahres 2034 nicht mehr. Steigender Meeresspiegel, die Dreisam in Freiburg ausgetrocknet, das Trinkwasser reglementiert …. Der Adler brütet, Hirsche suchen Futter in der Stadt. Die Hitze ist kaum mehr auszuhalten. Im Sommer regnet es 3 Monate lang nicht. Ein weiteres Dürre-Jahr ist die Folge – das wievielte ist es eigentlich?
Margrita Wahrer spielt eindringlich, die Auswirkungen des Klimawandels sind förmlich spürbar. Vielleicht, so hofft „Florentina“, könnte Auswandern eine Chance sein – vielleicht kann sie zu ihrer Freundin nach England, da regnet es doch noch öfter ….. Aber auch hier Fehlanzeige: der Adler brütet bereits auf Westminster Abbey. Verzweiflung, Resignation. Doch dann keimt Hoffnung auf, im wahrsten Sinne. „Florentina“ findet einen Apfel – zu Boden gefallen von einem ausgetrockneten Baum. Sie isst ihn, genüsslich, kaut langsam jeden Bissen. Einen Kern nimmt sie in die Hand, gibt etwas des wertvollen Wassers auf ein Häufchen Erde – und legt den Kern hinein. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Margrita Wahrer ist Schauspielerin und hat ihr Erzähltheater „PLANet B“ selbst entwickelt. Seit über 30 Jahren beschäftigt sie sich mit dem Schutz der Umwelt, ist als Klimaaktivistin unterwegs, spielt ihr Theaterstück bei verschiedenen Anlässen und kommt mit Menschen ins Gespräch. Dass uns der Klimawandel in dieser Härte trifft, ist für sie Bedrohung und Chance zugleich. Denn: „Wir können etwas tun!“, da ist sich Margrita Wahrer sicher.
95% der Wissenschaftler sind sich einig, dass der Mensch in einem nie dagewesenen Ausmaß zur Erhitzung des Planeten beiträgt. „Mutter Erde hat Fieber“, so könnte eine Übersetzung dieses bedrohlichen Phänomens lauten. Und was wir negativ beeinflusst haben, können wir auch ins Positive wandeln. Zeit indes bleibt da kaum, weiß die Schauspielerin.
Beschäftigen wir uns eingehend mit den Folgen unseres alltäglichen Tuns, so wie es Margrita Wahrer tut, dann kann man leicht in die Hoffnungslosigkeit abgleiten, das gibt sie unumwunden zu. Doch sie erlebt, dass gerade junge Menschen erreichbar sind und bereit, ihr eigenes Tun zu hinterfragen und etwas zu ändern. So stellt die Schauspielerin gerade auch in Schulen die Probleme anschaulich dar und spricht mit Lehrern und Schülern. Es muss sich etwas ändern. Die Politik verantwortlich machen ist die eine Sache. Selbst etwas tun – die andere. Schließlich, so die Umweltschützerin, ist es doch gar nicht so schwer, Einfluss zu nehmen: Jeder kann Strom aus erneuerbaren Energien (ohne Kohlestrom) beziehen, jeder kann sein Geld bei nachhaltigen Banken anlegen. Wir können die eigene Mobilität, den eigenen Konsum, die eigene Ernährungsweise hinterfragen. Einfache Stellschrauben wie diese sind es, mit denen wir alle einen Teil beitragen können, um unsere „Mutter Erde“ zu schützen. Margrit Wahrer setzt sie längst um – ohne Verlust von Lebensqualität, wie sie fröhlich lachend klarstellt. Es mache sie frei, sagt sie, nicht mehr so abhängig zu sein von „Money und Macht“.
Der Verein „Erneuerbare Energien Kleines Wiesental e.V.“ hatte zu diesem Erzähltheater ins Kulturhaus Ried eingeladen. Die Vorsitzende, Patricia Fromm, freute sich, dass die Zuschauer trotz des Sturms den Weg hier hinauf gewagt hatten. Beeindruckt waren sie alle – von der schauspielerischen Kunst der One-Woman-Darstellerin, vor allem aber von der eindringlichen Botschaft ihres Spiels. So saß man hinterher noch lange bei einem Gläschen zusammen – diskutierte, reflektierte und nahm Vorsätze mit nach Hause, vielleicht auch unbequeme

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