Artikel in der BZ, vom Fr, 27. Oktober 2017


Nahwärme für Wies und Neuenweg

EWS Schönau wird Wärmenetze im Kleinen Wiesental bauen / 270 000 Liter Heizöl sollen so jährlich eingespart werden.

  1. Das Tegernauer Nahwärmenetz wurde ab 2016 aufgebaut. Foto: Dirk Sattelberger

KLEINES WIESENTAL. Die EWS Elektrizitätswerke Schönau werden im kommenden Jahr den nachhaltigen Ausbau der Wärmenetze für die Bürger in Wies und in Neuenweg weiter ausbauen. "Mit diesen Projekten kommt die EWS nicht nur einem deutlichen Wunsch der Bürger nach, sie leistet damit auch einen wesentlichen Beitrag zur Bürger-Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, zur Reduzierung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes und zu einer Steigerung der Wertschöpfung in der Region", erklärte Daniel Weiß, Geschäftsführer der EWS Energie GmbH.

Durch den Investitionsentscheid für einen weiteren Ausbau der Wärmenetze im Kleinen Wiesental kann dem klaren Bürgerwillen für mehr Wärme aus erneuerbaren Rohstoffen weiter entsprochen werden. Das bereits bestehende Nahwärmenetz in Tegernau entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die wohl niemand so erwartet hätte. Spontan entschieden sich damals 41 Hauseigentümer im Kerndorf Tegernau, ihre Häuser an das neue Nahwärmenetz anzuschließen. 25 der Vertragspartner im Dorf beziehen schon ihre Wärme aus dem neuen Netz. Im kommenden Jahr soll das Leitungsnetz in Richtung Niedertegernau erweitert werden. Hier werden weitere fünf bis sieben neue Anschlussnehmer erwartet.

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Netz Wies: Das Nahwärmenetz Wies wird 2018 gebaut. Aktuell liegen bereits 50 Abnahmeverträge vor. Die Heizzentrale wird im Dorfgemeinschaftshaus entstehen. Geplante Leitungslänge: 2,7 Kilometer. Die Wärme wird dabei zu 85 Prozent aus Holzhackschnitzeln, zu zehn Prozent aus Solarthermie und zu fünf Prozent aus Heizöl erzeugt. Installiert wird ein Holzheizkessel mit rund 500 Kilowatt, eine Solaranlage auf 240 Quadratmetern Dachfläche und ein Pufferspeicher mit 30 Kubikmetern Fassung. Die erwartete Einsparung an Heizöl beträgt 140 000 Liter, die Reduzierung des CO2-Ausstoßes 400 Tonnen jährlich.

Netz Neuenweg: Die Heizzentrale soll zwischen Weideschuppen und Feuerwehrhaus gebaut werden. Die Leitungslänge beträgt 2,1 Kilometer. Aktuell liegen 31 Anschlussverträge vor. Die Wärmeerzeugung soll zu 80 Prozent über heimische Holzhackschnitzel, zu 15 Prozent über Solarthermie und zu fünf Prozent über Heizöl gewährleistet werden. Eingebaut wird ein Holzheizkessel mit rund 200 Kilowatt Leistung, eine Solaranlage auf 280 Quadratmetern, ein Pufferspeicher mit 20 Kubikmetern Fassung sowie ein Hackschnitzelbunker mit 80 Kubikmeter Fassungsvermögen. Die Ingenieure erwarten eine Einsparung von rund 60 000 Litern Heizöl und eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 180 Tonnen jährlich. Auch das Projekt in Neuenweg wurde nur durch den starken Einsatz der Neuenweger Bürger ermöglicht.

"Die Projekte sind nur durch eine enge Zusammenarbeit mit der Verlegung der Glasfaserleerrohre des Zweckverbandes und teilweise der Sanierung der Trinkwasserleitung der Gemeinde realisierbar. Durch den parallelen Ausbau der Wärmenetze und der Glasfaserinfrastruktur gelingt es, die Kosten zu senken und eine nahezu flächendeckende Infrastruktur neu aufzubauen" erklärte Daniel Weiß von der EWS Schönau.

"Das vorbildliche Engagement der Bürger führt zu einem weiteren Ausbau der Wärmenetze, einer Einsparung von total 270 000 Litern Heizöl, einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes von jährlich 780 Tonnen – was dem jährlichen Ausstoß 380 Autos entspricht – und einer zusätzlichen Wertschöpfung im Kleinen Wiesental von rund 150 000 Euro. Einkommen, welches in der Region bleibt und nicht abfließt", heißt es weiter von Daniel Weiß.

Die Projekte in Wies und Neuenweg sollen parallel realisiert werden und vor Winter 2018 abgeschlossen sein.

Netz Tegernau: Das erste größere Nahwärmenetz in Tegernau kam durch den maßgeblichen Einsatz des Vereins "Erneuerbare Energien Kleines Wiesental" zustande – hier besonders durch Werner Schleith und Gerhard Pfeifer – zustande. Es wurde realisiert von der Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH, an der die Gemeinden Kleines Wiesental, Malsburg-Marzell und Steinen sowie die EWS Elektrizitätswerke Schönau eG beteiligt sind.

Die Heizzentrale befindet sich im Rathaus Kleines Wiesental, dort ist ein Holzheizkessel mit einer Leistung von 200 Kilowatt, als Reserve ein 400-KW-Ölkessel und ein zehn Kubikmeter fassender Pufferspeicher installiert. Leitungslänge aktuell: 1,7 Kilometer. Der Energiebedarf wird zu 95 Prozent aus heimischen Holzhackschnitzeln, zu fünf Prozent aus Heizöl bei Spitzenbelastung gedeckt. Ein sechs Meter tiefer Hackschnitzelbunker mit einem Volumen von 100 Kubikmetern wurde im Boden vor dem Rathaus gebaut. Aktuell Einsparung an Heizöl rund 70 000 Liter pro Jahr, Einsparung an CO2-Ausstoß jährlich: 200 Tonnen.

Nachfrage nach Nahwärme groß

Interessenten in Neuenweg.

KLEINES WIESENTAL (BZ). Nicht nur in Wies, auch in Neuenweg ist das Interesse an dem geplanten Nahwärmenetz riesig: Wie Ortsvorsteher Klaus Worms im Gemeinderat am Mittwoch mitteilte, seien inzwischen 22 Verträge für den Anschluss ans Netz und den Bezug von Wärme unterschrieben. Weitere 17 Interessenten wollen sich nur einen Anschluss legen lassen. Und noch einmal sieben weitere Haushalte prüfen noch einen Anschluss.

Damit sind in den beiden Ortsteilen Wies und Neuenweg, in denen die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) ein Nahwärmenetz in Aussicht gestellt hatten, genug Interessenten vorhanden, um weitere Planungen für die Netze voranzutreiben.

Nahwärmenetz Tegernau geht in Betrieb!

link zum Bericht in der BZ
      



Nahwärmenetz Tegernau

Im August 2012 wurde die Frage eines Nahwärmenetzes auf Holzhackschnitzelbasis für den Dorfkern von Tegernau im Gemeinderat behandelt. Da es seitens des Gemeinderats Unsicherheit hinsichtlich eines konkreten Bedarfs bei Hauseigentümern in Tegernau gab, wurde ein weiteres Vorgehen von dem Ergebnis einer vorgängigen Bedarfserhebung abhängig gemacht.

Da es in der Verwaltung wegen der großen Kanalisationsprojekte keine freien personellen Kapazitäten gab, hat sich unser Verein angeboten, die Voruntersuchung durchzuführen. Im Februar 2013 übernahm der Verein die Verantwortung für das Projekt, und ab Sommer 2013 führten Gerhard Pfeifer und Werner Schleith bei der Gemeinde und den interessierten Hauseigentümern die Bestandsaufnahme der bestehenden Heizanlagen durch. Im Sommer 2014 wurde dann vom Kooperationspartner HBG Zell auf Basis der erhobenen Daten eine erste grobe Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgeführt, die ergab, dass ein Nahwärmenetz im Dorfkern von Tegernau wirtschaftlich realisierbar ist. Die Ergebnisse dieser Voruntersuchung und ersten Wirtschaftlichkeitsberechnung wurden im Juli 2014 in einer Bürgerversammlung in Tegernau und im August 2014 im Gemeinderat vorgestellt. Daraufhin beauftragte der Gemeinderat in seiner Sitzung im September einstimmig die Verwaltung, den zweiten Förderantrag für die Detailberechnung und die Umsetzungsplanung zu stellen.

Gleichzeitig erklärten die Gesellschafter der neuen ?Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH?, dass das Kraftwerk grundsätzlich bereit ist, das Nahwärmenetz zu realisieren und später zu betreiben. Durch ein solches Vorgehen, würde das Kraftwerk in die Lage versetzt, nicht nur als Energie-, sondern auch als Wärmeversorger für die Bürger zur Verfügung zu stehen. Durch die Möglichkeit des Kraftwerks, für den Leitungsbau zusätzliche Fördermittel zu beantragen, könnten die Anschlusskosten für die späteren Nutzer des Nahwärmenetzes reduziert werden.

Nach Durchführung der Detailberechnungen werden den interessierten Nutzern konkrete Anschlussverträge angeboten. Wenn die Wirtschaftlichkeit des Nahwärmenetzes durch abgeschlossene Anschluss- und Nutzungsverträge gesichert ist, kann mit dem Bau begonnen werden. Ziel ist, das Nahwärmenetz vor Wintereinbruch 2015 in Betrieb zu nehmen.