Rechenschaftsbericht des Vorstands
zur
Jahreshauptversammlung am 6. Oktober 2014
Einleitung

Obwohl die Jahreshauptversammlung die Aktivitäten des Vereins „Erneuerbare Energien Kleines Wiesental e.V.“ bis zum Ende des Vereinsjahrs 2013 umfasst, sind in den Rechenschaftsbericht des Vorstands alle Aktivitäten bis zum Zeitpunkt der Jahreshauptversammlung am 6. Oktober 2014 enthalten.

Nach den Bürgerversammlungen der Gemeinde Kleines Wiesental zum Thema eines geplanten Windparks auf dem Zeller Blauen fand sich im Jahr 2012 spontan ein „Arbeitskreis Erneuerbare Energien“ zusammen, der zur Gründung unseres Vereins im März 2013 führte. Dem Verein wurde vom Finanzamt Lörrach die Gemeinnützigkeit zuerkannt.

Von Beginn an waren sich die Mitglieder des Arbeitskreises einig, dass die Aktivitäten sich nicht auf die Nutzung der Windenergie beschränken, sondern alle Arten der erneuerbaren Energien umfassen sollte. Weiterhin bestand Einigkeit darüber, dass über die vereinsrechtlich zu besetzenden Vorstandsposten keine Wertung hinsichtlich der Wichtigkeit der aktiven Mitglieder geschaffen werden sollte. Die notwendigen Vorstandsposten wurden in einstimmiger Wahl besetzt. Darüber hinaus bestimmte die Gemeinschaft alle Mitglieder des vorherigen Arbeitskreises zum so genannten Erweiterten Vorstand.

Für die operative Arbeit im Verein wurde festgelegt, dass Mitglieder des Vereins, die die Verantwortung für einzelne Projekte übernehmen, völlig eigenverantwortlich arbeiten und die weiteren Mitarbeiter in ihren Projekten selbst bestimmen können. Lediglich bei Entscheiden, die für den Verein eine Verpflichtung irgendeiner Art beinhalten, werden im Erweiterten Vorstand abgestimmt.

Es ist uns eine besondere Freude festhalten zu können, dass bis heute (6. Oktober 2014) alle Entscheide immer im Konsens gefällt wurden. Als weiteres gutes Zeichen werten wir, dass der Erweiterte Vorstand seit den ersten Treffen unverändert weiter besteht und weiter gut zusammenarbeitet.

Traurig hat uns der Umstand gemacht, dass wir Architekt Heinz Schwald, der sich von der ersten Stunde an im Arbeitskreis engagierte, durch Tod verloren haben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Wasser

Geothermie Bürchau

Schon seit 1929 liegen in Bürchau Aufzeichnungen über die „warmen Wellen“ in der seinerzeit selbständigen Gemeinde vor. Bestrebungen seitens der Gemeinde Bürchau im 20. Jahrhundert die Quelle als Thermal- oder Mineralquelle zu nutzen führten zu keinem Ergebnis.

Unter Leitung von Harald Senn hat der Verein einen Versuch gestartet, die Quelle thermisch zu nutzen. Durch den starken Einsatz von Harald Senn konnten das Karlsruhe Institute of Technology (Professor Dr. Thomas Kohl) und das Steinbeis Transferzentrum – Geoenergie und Reservoirtechnologie (Dr. Eva Schill) als Partner gewonnen werden. 

Die geologische Situation in Bürchau wurde von Julian Rolker in drei Analysekampagnen im Rahmen einer Masterarbeit, unterstützt durch das KIT, untersucht. Die Ergebnisse, die von Julian Rolker, Dr. Eva Schill und Dr. Thomas Kohl bei einer Bürgerversammlung in Bürchau im Februar 2014 vorgestellt wurden, zeigten einige neue Erkenntnisse. Das in Bürchau austretende warme Wasser stammt nicht - wie bisher angenommen - vom Belchen, sondern aus dem Einzugsgebiet des Köhlgarten. Die Quelle in Bürchau liegt am Schnittpunkt von drei Verwerfungen und das Wasser hatte auf seinem Weg bis zur Oberfläche maximal 60 Grad. „Sie sitzen hier in Bürchau auf einem Schatz, der für das Wiesental wohl einmalig ist“, hatte Dr. Thomas Kohl ausgeführt. Um diesen Schatz heben zu können, ist allerdings erforderlich, herauszufinden, wo genau ein mögliches Reservoir des 60 Grad warmen Wassers liegt und wie es genutzt werden kann. Dazu hat das KIT angeboten, in einer zweiten Masterarbeit das Areal für eine mögliche Probebohrung näher einzugrenzen. Welche Möglichkeiten einer späteren Nutzung gegeben sind, muss in Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung abgeklärt werden. Denkbar ist zum einen, den vorhandenen Wasseraustritt zur Heizung des in der Nähe gelegenen Gemeindehauses zu nutzen und damit die Heizkosten deutlich zu reduzieren. Ob Probebohrungen möglich sind, um eine verstärkte Nutzung des Wasserpotentials zu ermöglichen, hängt wesentlich davon ab, ob Fördermittel für solche Bohrungen beantragt werden können. Sowohl das KIT wie auch der Verein selbst bemühen sich im Augenblick um die Abklärung solcher Fördermöglichkeiten.

Kraftwerk Köhlgartenwiese

An den Entscheiden des Gemeinderats Kleines Wiesental zur Neuausrichtung des Kraftwerks Köhlgartenwiese und der jetzt beschlossenen Gründung einer „Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH“ hat der Verein zwar keinen direkten Anteil. Aber im Vorfeld der Entscheide haben sich die Vorstandsmitglieder des Vereins bei den Bürgerversammlungen immer eindeutig dafür ausgesprochen, dass die Neuausrichtung in Partnerschaft mit der EWS Schönau eG angegangen wird und dass das Eigentum am Kraftwerk über den Bezirksverband mehrheitlich im Eigentum der Bürger des Kleinen Wiesentals, von Steinen und Malsburg-Marzell verbleibt.

Die jetzt beschlossene Gründung der Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH sichert dem Bezirksverband 70 Prozent der Gesellschaftsanteile und der EWS Schönau eG 30 Prozent zu. Ein erster positiver Entscheid im sinne des Vereins wurde schon jetzt dadurch getroffen, dass ab 2015 das Kraftwerk Köhlgartenwiese über den Strombezug über EWS künftig zu 100 Prozent „grünen“ Strom aus Wasserkraft liefern wird. 

Kleinwasserkraftwerke

Neben Holz (Biomasse) ist das Kleine Wiesental reich an ergiebigen Bächen und Wasserläufen. Nach Bürger-Informationen über die Wassernutzung über Kleinwasserkraftwerke, die der Verein durch Vermittlung von Urs Kunz durchgeführt hat, zeigte sich, dass es rein grundsätzlich das Potential für weitere Kleinwasserkraftwerke im Kleinen Wiesental gibt. Ob und inwieweit diese Wasserpotentiale genutzt werden können, muss zuerst grundsätzlich mit dem Landratsamt Lörrach abgeklärt werden.

Im Verlauf des Oktober wird eine Delegation im Landratsamt vorstellig, um sich von dem Sachgebietsleiter für Gewässernutzung und Gewässerbau Hannes Nieder über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren zu lassen. Danach wird geklärt werden, in welchem Rahmen es sinnvoll und realistisch ist, entsprechende Projekte auf den Weg zu bringen.


Biomasse (Holz)

Nahwärmenetz Tegernau

Im August 2012 wurde die Frage eines Nahwärmenetzes auf Holzhackschnitzelbasis für den Dorfkern von Tegernau im Gemeinderat behandelt. Da es seitens des Gemeinderats Unsicherheit hinsichtlich eines konkreten Bedarfs bei Hauseigentümern in Tegernau gab, wurde ein weiteres Vorgehen von dem Ergebnis einer vorgängigen Bedarfserhebung abhängig gemacht.

Da es in der Verwaltung wegen der großen Kanalisationsprojekte keine freien personellen Kapazitäten gab, hat sich unser Verein angeboten, die Voruntersuchung durchzuführen. Im Februar 2013 übernahm der Verein die Verantwortung für das Projekt, und ab Sommer 2013 führten Gerhard Pfeifer und Werner Schleith bei der Gemeinde und den interessierten Hauseigentümern die Bestandsaufnahme der bestehenden Heizanlagen durch. Im Sommer 2014 wurde dann vom Kooperationspartner HBG Zell auf Basis der erhobenen Daten eine erste grobe Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgeführt, die ergab, dass ein Nahwärmenetz im Dorfkern von Tegernau wirtschaftlich realisierbar ist. Die Ergebnisse dieser Voruntersuchung und ersten Wirtschaftlichkeitsberechnung wurden im Juli 2014 in einer Bürgerversammlung in Tegernau und im August 2014 im Gemeinderat vorgestellt. Daraufhin beauftragte der Gemeinderat in seiner Sitzung im September einstimmig die Verwaltung, den zweiten Förderantrag für die Detailberechnung und die Umsetzungsplanung zu stellen.

Gleichzeitig erklärten die Gesellschafter der neuen „Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH“, dass das Kraftwerk grundsätzlich bereit ist, das Nahwärmenetz zu realisieren und später zu betreiben. Durch ein solches Vorgehen, würde das Kraftwerk in die Lage versetzt, nicht nur als Energie-, sondern auch als Wärmeversorger für die Bürger zur Verfügung zu stehen. Durch die Möglichkeit des Kraftwerks, für den Leitungsbau zusätzliche Fördermittel zu beantragen, könnten die Anschlusskosten für die späteren Nutzer des Nahwärmenetzes reduziert werden.

Nach Durchführung der Detailberechnungen werden den interessierten Nutzern konkrete Anschlussverträge angeboten. Wenn die Wirtschaftlichkeit des Nahwärmenetzes durch abgeschlossene Anschluss- und Nutzungsverträge gesichert ist, kann mit dem Bau begonnen werden. Ziel ist, das Nahwärmenetz vor Wintereinbruch 2015 in Betrieb zu nehmen.


Wind

Windpark Zeller Blauen

Wir wollen ehrlich bleiben. Die Nachricht, dass wegen zu geringer Windhöffigkeit ein Windpark auf dem Zeller Blauen wirtschaftlich nicht zu betreiben ist, hat uns im Verein schwer getroffen. An dieses Projekt hatten wir einige Hoffnungen geknüpft. Diese betrafen zum einen die Möglichkeit, heimische Handwerker und Unternehmen an der Wertschöpfung durch dieses Projekt zu beteiligen. Zum anderen war durch die Partnerschaft der Verbundgemeinden Zell im Wiesental, Häg-Ehrsberg und Kleines Wiesental mit der EWS-Schönau die Möglichkeit gegeben, das Eigentum an den Windkraftanlagen ganz oder teilweise über eine Genossenschaft in das Eigentum der Bürger zu überführen. Diese Erwartungen haben sich nun zumindest für die Gemeinde Kleines Wiesental nicht erfüllt.

Der Verein ist aber nach wie vor der Ãœberzeugung, dass die Nutzung der Windenergie einen hohen Stellenwert behält und sowohl im Sinne einer nachhaltigen Energiewende wie zum Schutz von Landschaft und Umwelt eine ideale Lösung darstellt. 


Bioenergiedorf Kleines Wiesental

Unter Leitung von Harald Senn hat der Verein eine Aktion gestartet, in der mit Hilfe einer umfassenden Datenerfassung in allen Haushalten der Gemeinde erhoben wird, wie groß der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch heute schon ist. 

Bei einem Anteil größer 50 Prozent könnte der Gemeinde das Siegel „Bioenergiedorf“ verliehen werden. Ein solches Siegel bietet dann auch Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sowie juristischen und natürlichen Personen die Möglichkeit, für weitere Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien Fördermittel zu beantragen.

Ein entsprechender Fragebogen zur Datenerhebung wurde über das Gemeindeblatt verteilt. Der Rücklauf ist allerdings bisher schleppend. Der Verein wird sich bemühen, eventuell über die Ortschaftsräte die Bürger zu motivieren, an der Datensammlung teilzunehmen. Für Interessierte ist der Erfassungsbogen auf der Internetseite des Vereins hinterlegt (www.eekw.de) und kann dort heruntergeladen werden.


Öffentlichkeitsarbeit

Internetauftritt des Vereins

Seit Anfang dieses Jahres ist unser Verein mit einer eigenen Seite im Internet vertreten. Unter der Adresse www.eekw.de wird der Verein sukzessive alle Projekte und Arbeitsbereiche vorstellen und die einzelnen Maßnahmen zu dokumentieren.

Die Dokumentationen müssen noch komplettiert werden, was bisher wegen zahlreicher anderer Verpflichtungen etwas in den Hintergrund getreten ist. Bis spätestens Ende des Kalenderjahres soll die Dokumentation auf der Internetseite in allen Punkten vollständig sein.


Bürger-Informations-Veranstaltungen

Um interessierten Menschen die Möglichkeit zu bieten, den Verein und seine Arbeit kennenzulernen und in das „Klima“ bei der Arbeit des Erweiterten Vorstands hinein zu schnuppern, haben wir im Sommer 2013 angekündigt, dass die monatlichen Vorstandssitzungen öffentlich stattfinden und dass jeder, der möchte, an den Sitzungen teilnehmen und Ideen und Anregungen einbringen kann. Da von diesem Angebot kein Gebrauch gemacht wurde, wurde entschieden, in unregelmäßigen Abständen Informations-Veranstaltungen für interessierte Bürger zu allgemeinen Themen der erneuerbaren Energien und deren Nutzung durchzuführen.

Neben einer Bürgerversammlung, an der sich im Mai 2013 der Verein der Bürgerschaft vorstellte wurden themenbezogene Informationsveranstaltungen zur Geothermie in Bürchau, zur Nutzung von Kleinwasserkraft, zu Heizanlagen auf Basis regenerativer Rohstoffe sowie zum Nahwärmenetz Tegernau durchgeführt. 

Von Veranstaltung zu Veranstaltung steigende Besucherzahlen (von 20 auf rund 50 Personen) zeigen, dass es ein Interesse an neutralen Sachinformationen gibt. Der Verein wird diese Veranstaltungsreihe im kommenden Jahr weiterführen.


Naturparkschule Kleines Wiesental

Der Verein hat sich der Naturparkschule Kleines Wiesental als externer Partner für Projektveranstaltungen zur Verfügung gestellt. Im Juli 2013 leitete Urs Kunz eine ganztägige Exkursion durch Bürchau im Rahmen der „Projektwoche Wasser“ der Naturparkschule. Bei einem Rundgang durch das Dorf wurde die warme Quelle vorgestellt, anhand des Bürchauer Wasserrades stellte Ortsvorsteher Friedrich Meier die Funktionsweise eines Wasserrades vor, und im Böhm-Haus wurde den Kindern das erste Kleinwasserkraftwerk Büchaus vorgestellt. Die Kooperation mit der Naturparkschule ist inzwischen fest etabliert und wird weiter fortgesetzt.


Beteiligung an Veranstaltungen in der Gemeinde

Der Verein sieht sich als Teil des kulturellen Lebens in der Gemeinde und versucht, an Veranstaltungen in der Gemeinde aktiv mit teilzunehmen.

Im August 2013 war der Verein mit einem eigenen Stand auf dem Naturparkmarkt in Tegernau vertreten. Und im Mai 2014 nahmen wir mit unserem Stand am Weideauftriebsfest in Neuenweg teil.


Schlusswort

Seit Gründung des Vereins ist die Zahl der Mitglieder von 35 auf 71 (Stand Ende September 2014) angewachsen. Die operative Arbeit liegt weiterhin beim 13köpfigen Erweiterten Vorstand. Um die noch vor uns liegenden Aufgaben zügig angehen zu können, brauchen wir dringend mehr Kraft unter den Aktiven. Wir freuen uns über jeden, der bereit ist, mit uns zusammen kraftvoll an der „Energiewende von unten“ mitzuarbeiten.

Und seien wir wieder ehrlich, auch über „passive“ Mitglieder, die uns mit ihrem Beitrag unterstützen, die uns durch ihre Mitgliedschaft Mut machen und vielleicht auch eine Spende für unsere Arbeit übrig haben, freuen wir uns von Herzen.